Wieso ich denn gegen die Sperrung von Kinderpornoseiten bin? Weil es so, wie es gemacht wird absoluter Schwachsinn ist. Die jetzige Lösung ist das Verschliessen der Augen. Ich mach das mal anhand eines kleinen Beispiels:
Angenommen, ich wohne in einem großen Hochhaus. Durch mein Wohnzimmerfenster kann ich auf das Hochhaus auf der gegenüberliegenden Straßenseite schauen. Dort wohnt unter anderem auch meine Tante, der ich täglich gerne zuwinke.
Jetzt sehe ich zufällig, wie dort in einer anderen Wohnung ein Kind mißhandelt wird. Ich melde das der zuständigen Behörde. Die Behörde ermittelt, beschließt eine “Lösung”, um das zu unterbinden und führt diese Aktion zur “Lösung” des Problems dann aus. (Von Gewaltenteilung ist hier schon nichts mehr zu sehen.)
Diese “Lösung” sieht jetzt so aus, daß an meinem Hochhaus sämtliche Fenster mit schwarzer Farbe zugemalt werden, von denen aus man auf das andere Hochhaus schauen kann.
Der Mißbrauch in diesem anderen Haus (das oft genug auch in meinem Land steht) geht weiter, ich kann es nur nicht mehr sehen. Meine Tante kann ich übrigens auch nicht mehr sehen, obwohl die mit der anderen Wohnung gar nichts zu tun hat. Aber alle Leute aus anderen Häusern in der Straße können da noch überall hinschauen. Und ich kann mir innerhalb von 5 Minuten am Küchenfenster einen Spiegel installieren, mit dem ich um die Ecke schauen kann und das andere Hochhaus auch wieder sehen kann.
Und das ist jetzt die Lösung von der Frau von der Leyen? Meine Rechte werden eingeschränkt, obwohl in sehr vielen Fällen direkt gegen die Person im anderen Hochhaus etwas gemacht werden könnte? Das Kind wird weiterhin mißbraucht, aber so ist jetzt alles in Ordnung? Und damit gibt sie jetzt an, läßt sich feiern und meint das wäre eine gute Lösung?
Findet ihr auch?
Also wer so eine Logik hat, muß schon ganz gehörige Schmerzen haben beim Versuch, sein Gehirn zu nutzen. Es vergeht wirklich kein Tag, an dem man sich nicht über dieses selbstgefällige, überbezahlte und nutzlose Politiker**** ärgern muß.
Ein weiterführender Artikel zu einem “Einwand”, der vermutlich die nächste Zeit gerne von Politikern gebracht wird: “Und wenn auch nur ein Kind gerettet wird…” findet sich bei MOGIS. Dort dann auch Zahlen zur Entwicklung des Mißbrauchs und generell auf der Seite viele weiterführende Infos und Erklärungen, weshalb selbst Mißbrauchsopfer gegen diese Art der Sperre sind.
2. Mai 2009 at 05:21
[...] (Christian; Nachtrag : es scheint allgemein langsam bewusst zu werden, wie absurd diese Vogel-Strauß-Politik eigentlich ist, eine schöne Parabel: “Zensursula oder warum das der absolut falsche Weg ist“) [...]
2. Mai 2009 at 05:25
eine wunderbare parabel ..
danke .. christian
Auf Wunsch des Verfassers gekürzt.
4. Mai 2009 at 09:30
“Absolut falsch” finde ich das nicht. Natürlich ist das Problem damit nicht gelöst. Aber, es MUSS sein. Schon um die Opfer zu schützen! Die bei jedem Seitenaufruf erneut missbraucht werden!!
4. Mai 2009 at 17:10
Doch, leider ist es eben absolut falsch. Alles was hiermit erreicht wird ist, daß nichts mehr auf den ersten Blick gesehen wird.
Nach dem Motto: Aus den Augen aus dem Sinn!
Frau von der Leyen kann dann vor der Wahl sagen, daß man viel weniger kinderpornographische Bilder im Internet findet, was eben leider vollkommen falsch ist.
Man zieht einen schwarzen Vorhang davor, hinter den aber jeder innerhalb weniger Minuten schauen kann. Es gibt deshalb nicht ein Bild weniger oder es wird auch nur ein Kind weniger mißbraucht. Man betreibt nur oberflächliche Kosmetik aber tut nichts gegen das grundlegende Problem. Das wirkt sich im besten Fall neutral für das Aufkommen von Kinderpornographie aus, ist vermutlich jedoch sogar eher kontraproduktiv.
Abgesehen davon, daß die ganze Diskussion eh in die falsche Richtung geht. Kinderpornos werden kaum auf “offiziellen” Seiten angeboten. Der vermutlich unglaubliche Großteil wird im verborgenen in “Tauschringen” oder wie auch immer verbreitet.
5. Mai 2009 at 00:06
[...] denn die Zensur von Internetinhalten gegen den tausendfachen Missbrauch von Kindern helfen soll – Zensursula oder warum das der absolut falsche Weg ist ist eine Parabel, die die ganze Idiotie der Internetzensur an sich noch einmal verdeutlicht – 20 [...]
5. Mai 2009 at 08:14
Was mir an dieser Art der Diskussion sauer aufstößt, ist, dass hier eher die Beschneidung der Freiheit der Internetbenutzer angeprangert wird. Vielleicht nicht in den vier Kommentaren auf dieser Seite. Aber ich kann nicht verstehen, was man dagegen haben kann, dass soetwas generell untersagt sein soll. Ich sage nicht, dass es das Allheilmittel ist. Und verhindern kann man es damit auch nicht. Man sollte es aber auch nicht befördern!
Selbst, wenn man etwas auf die Spitze treibt, um bei irgendwem irgendwelche Denkprozesse in Gang zu setzen, und behauptet, die Sperrung von solchen Seiten sei absolut falsch, suggeriert unterschwellig, dass das zuvor Angeprangerte dann so schlecht ja gar nicht sein kann. Eine schöne Vorlage übrigens für einschlägig Handelnde und damit eine fragwürdige Aktion!
6. Mai 2009 at 19:11
@Wolff: Nein, bemängelt wird nicht die “Beschneidung der Freiheit der Internetbenutzer” sondern der Wille, eine Sperrtechnik einzuführen und dafür eine Reihe von Grundrechten (aller) zu brechen, unter dem Vorwand, gegen Kinderpornographie im Netz vorzugehen, wobei erwiesen ist, das die Technik nicht dafür taugt und das mindestens die Hälfte der Zahlen und Fakten, die man zur Rechtfertigung gebraucht, falsch oder unbewiesen sind. Ich bin schon fast dafür, dass das Gesetz so wie im Entwurf zu verabschieden. Das garantiert, dass das BVerfG das Gesetz schneller wieder einzieht, als die Politiker “Schon wieder?” sagen können.
Nur … mir haben die Politiker in letzter Zeit zu viele verfassungswidrige Gesetze verabschiedet … es wird einfach Zeit, das im Vorfeld endlich mal zu unterbinden!
Nix*
7. Mai 2009 at 02:50
@Wolff 6
“Was mir an dieser Art der Diskussion sauer aufstößt, ist, dass hier eher die Beschneidung der Freiheit der Internetbenutzer angeprangert wird.”
Vorsicht! Jemand möchte dich mit folgendem Trick reinlegen:
Wir machen ein Gesetz für Kinderschutz. Dann tun wir so als sei das Gesetz der Kinderschutz und nicht nur ein Mittel das den Zweck haben soll Kinder zu schützen.
Denn Kinderschutz wird immer als angebracht empfunden – ein Gesetz hingegen kann auch als unangebracht empfunden werden.
Wenn dann jemand sagt er sei gegen das Gesetz weil es die Freiheit von Internetnutzern beschneidet, dann können wir behaupten diese Freiheit sei ihm wichtiger als Kinderschutz, obwohl er in Wirklichkeit die Freiheit nicht wichtiger als Kinderschutz findet, sondern wichtiger als die im Gesetz beschlossenen Massnahmen deren Zweckerfüllung er bezweifelt.
Wenn niemand mehr zwischen Gesetz und Zweck des Gesetzes unterscheiden kann, dann kann niemand mehr das Gesetz Kritisieren ohne als Egoistisch, Herzlos oder Kinderfeindlich dazustehn.
7. Mai 2009 at 11:01
[...] Zensursula und warum das der falsche Weg ist [...]
8. Mai 2009 at 11:23
@Wolff: “Was mir an dieser Art der Diskussion sauer aufstößt, ist, dass hier eher die Beschneidung der Freiheit der Internetbenutzer angeprangert wird.”
Durch das Gesetzesvorhaben wird *nur* (im Sinne von exklusiv) Die Freiheit der Internetbenutzer beschnitten und – wahrscheinlich verfassungswidrig – Zensur ausgeübt. Nicht ein einziges Kind weniger wird deswegen gequält werden.
Die Kinderporno-Keule haben sich der Schäuble und die von der Leyen genial ausgedacht, um alle Gegner der Zensur als Kinderschänder diffamieren zu können und vertrauensvolle Bürger in dem Glauben zu wiegen, es werde ja etwas Gutes getan.
Wir werden nicht von Laien regiert, sondern von Polit-Profis. Profis der Manipulation.
10. Mai 2009 at 04:42
Und auch hier nochmal ein Versuch einer Erklärung “für die Guttenbergs unter uns.”
21. Juni 2009 at 16:12
[...] bei uns in Deutschland passiert sowas nicht. Wir haben Gewaltenteilung und eine ordentliche Demokratie ohne Zensur. Letzteres sichert uns schon das Grundgesetz in [...]